Kur, der Schluss

Kur Teil 1 hier

Tag Elf

Ein Taschenanruf von Papa weckt mich, als er seine tägliche Morgen-Sprachnachricht für die Kleine senden will. Ich nutze mein Aufwachen für ein paar Gedanken zu heutigen Themen. Nach einem langsamen Morgen samt Ausschlafen geht es in die Villa. Ich packe unsere Wäsche zusammen und meine Tasche für’s Solemar. Ich schreibe an meinem Schlachtplan weiter und überlege, wie ich uns am Wochenende alleine beschäftige. Das gab es noch nie, eigentlich krass. Ich bin nervös. Auch, weil ich Pläne daheim abgesagt habe. Ich wollte die Kleine nicht rausreißen, ich fürchtete noch mehr Heimweh. Heute fühle ich mich nicht gut, aber ich gehe zum Sport – auch wenn ich manche Übungen nicht kann. Ich gucke erneut nach der Wäsche im Waschraum, die ja in einem gewissen Zeitfenster erledigt sein muss. Der Trockner ist hier ein Luxus für mich. Das ganze Hin und Her mache ich mit der Kleinen in der Pause zum Mittag fertig. Villa. Dann erlauben uns eine Mama und ich uns zu zweit ein paar Stunden das Solemar, die hiesige Therme. Das tut so wahnsinnig gut, einfach zwei Stunden im Wasser zu sein, zu quatschen und zu lachen. Heute beenden wir den Tag wieder auf dem Spielplatz und schicken ein Video an Papa.

Tag Zwölf

Nach einer schlechten Nacht für uns bleib wir bis halb 8 liegen. PS: für uns ist das lang. Wir frühstücken gut und reichlich. Auf dem Weg nach oben in den vierten Stock rufen wir Papa mit Video an, denn es ist Samstag und wir bleiben unter uns. Ich mache meine Frisur, während wir Tonibox hören. Die liebe Hausdame kommt vorbei, um meinen Badmüll täglich zu leeren. Dann stickern wir uns durch ein halbes Bobo-Heft, eine ganze Stunde frisst das. 15 Minuten entfernt in Kappel ist ein Streichelzoo mit vielen Tieren und auch Enten, die haben alle Hunger. Das macht uns wirklich Spaß. Und neben dran der Spielplatz ist ebenfalls super. Wir sind zwei Stunden hier und fahren dann zum Mittag zu KFC, wozu ich selten die Chance habe. Dann testen wir den Dehner im Ort, da sind daheim sehr gern. Sieht Innen gleich aus, frische Blumen für das Zimmer sind schnell gefunden. Wir kaufen auch noch Lebensmittel. Und ja, es ist erst Mittag. Ich bin hundemüde, ich hab Bauchschmerzen. Ich quäle mich mit ihr auf den Spielplatz. Heute der Tag, an dem mir all die nach Mama schreienden Kinder einfach nur auf die Nerven gehen. Das Gefühl kann ich danach nie wieder ganz loslassen. Vor dem Abendessen gehen zwei Karle Mädels mit Bauchweh auf das öffentliche Klo bei der Rezeption. Ich esse nur Grießbrei zum Abend, sehr passend. Im Zimmer noch kurz Klarschiff, dann Bett.

Tag Dreizehn

Sonntag 6 Uhr. Kind wach und ich keine Lust. Puh. Ich lasse sie die Tonibox holen, damit wir Bibi zum 100. Mal anhören und ich die Augen noch etwas geschlossen lassen kann. Keine Ahnung, wie der Tag wird. Wir frühstücken, basteln, lesen und schneiden Nägel. Wir gehen Kastanien suchen im Wald mit Waldbingo mit Freunden, das macht Spaß. Spielplatz gerade immer mit viel Unsicherheit, die Kleine verteidigt sich nicht und ist oft traurig. Als wir Mittagspause machen, schlafe ich tatsächlich ein und sie guckt zwei Stunden Tablett (ihre Serien, aber nicht unbedingt mein bester Mama-Moment). Ich muss mal wieder die Versorgung wechseln, manchmal bin ich fasziniert, wie sich die konvexe Platte eigentlich in den Bauch drückt. Das ist der dritte oder vierte komplette Wechsel hier. Ich schreibe das nicht mehr auf. Wir snacken was und gehen Eis/Kuchen in der Stadt essen. Zur Hauptzeit, mit viel Wartezeit. Nicht ideal. Später auf Spielplatz puste ich für die Kleine Seifenblasen. Am Liebsten würde ich sie dabei fotografieren, in der Sonne, umringt von Blasen. Aber ich genieße den schönen Moment. Nach dem Abendessen, was bei uns nicht so harmonisch lief, wird noch gebadet. Ist immer ein Risiko um die Uhrzeit, schließlich wird man das schon müde. Als i-Tüpfelchen dann noch mieseres Internet für das Sandmännchen. Ich bräuchte eine Pause. Tag Dreizehn rum.

Tag Vierzehn

Das Wochenende steckt mir in den Knochen, die Ernährung hier – ich kann ja nicht einfach alles ersetzen – führt zu täglicher Darmaktion. Ehrlich gesagt ist es daheim ruhiger sowie angenehmer. Wir räumen auf, denn heute ist Putztag. Villa. Ich trage mich noch mal für Wäsche Ende der Woche ein, das Zeitfenster muss ja zu einem passen. Vor dem nächsten Vortrag zu Fetten und Zucker lese ich mein echtes Buch weiter. Die Gruppe ist saulustig. Obwohl ich zur rechten Zeit am rechten Ort auf ein Gespräch warte (was man soll), werde ich nicht geholt. Ich verliere Zeit, bis ich trotz Nicht-Klopfen-Zeichen klopfe und hole dann die Kleine als letzte Mama, weil wir jede Minute genutzt haben. Nach unserer Pause laufe ich wieder zum Gradierwerk und liege gefühlt Ewig auf einer Bank. Mit ein paar Kastanien in der Tasche geht es zurück. Der Stressvortrag ist eigentlich eine Gruppenarbeit mit zu wenig Zeit. Ich bin eigentlich nur schockiert, wie wenig sich manche Menschen ehrlich mit sich beschäftigen und reflektieren. Abendessen. Spielplatz. Seifenblasen. Wir bleiben lang und ich genieße es. Ins Bett gehen klappt super, einschlafen nicht. Als Ruhe einkehrt, habe ich Lust auf einen Film – aber Nichts runtergeladen. Habe ich soziale Medien bereits auf Null runtergefahren, weil das Daten frisst, ist hier für heute auch Schluss und ich entscheide mich für ein Hörbuch, denn das funktioniert auf mit mobilen Daten …

Tag Fünfzehn

Wir sind beide ein bisschen verschnupft, kann man nichts machen. Mir tun die Glieder weh und die Kleine liegt morgens auf einer Decke vor dem Bad, während ich darin bin, weil sie nicht allein sein mag. Wir frühstücken und bereiten uns auf unseren Ausflug vor, heute ist Feiertag und wir treffen Papa. Und zwar in der Mitte zwischen richtigem Zuhause und Kur-Zuhause. Das Wetter ein Traum. Der Testturm in Rottweil ist beeindruckend, die Aufzugfahrt nach oben rasant und die Sicht Richtung nach Hause unglaublich schön. Die Kleine fühlt sich nicht wohl oben, also geht es wieder nach unten. Dann gehen wir einen Spielplatz erkunden und verbringen Zeit zusammen, bevor wir zum Mittag zum Chinesen gehen. Danach erkunden wir einen weiteren Spielplatz, mein Mann und ich haben die Chance, ein paar mehr Sätze in Ruhe miteinander zu sprechen. Der Wind ist sehr stark heute, es ist mein Wetter. Wir sagen Tschüss und fahren zurück. Landen in unserem Bad Dürrheim Zuhause wieder auf dem Spielplatz, ich trag meine ganzen Sachen vom Tag nicht mehr hoch. Nach diesem Tag gibt es Abends noch sehr viel Tränen, Heimweh ist ein mieses Gefühl. Ich verstehe sie gut. Ich schlafe bis Mitternacht nicht.

Tag Sechszehn

Nach fünf Stunden ist die Nacht vorbei. Aber ich freue mich, mit Freya zu kuscheln und langsam zu starten. 45 Minuten für etwas Ordnung, bisschen Bad ich und alles am Kind. Der Rest vom Tag scheint mir viel zu voll, weiß noch nicht, wie ich es schaffen soll. Villa. Kur ist, was du drauß machst. Also was mach ich hier? Heut fühle ich mich unsicher, ganz unaufgeräumt im Kopf, falsch. Auch irgendwie erdrückt. Der Rhythmus ist weg grad. Dann die Kunsttherapie, bei der ich wieder an meiner Tonhöhle arbeite, die nun verschlossen ist. Aber ein Schatz liegt darin. Der Schatz ist die Liebe zu mir selbst. All das arbeitet in mir. An der Rezeption kaufe ich eine Essensmarke für einen Besuch und hole Waschmarken. Danach der Vortrag zum Thema Selbstwert, der emotional ist. Dann der Wassersport, der Badeanzug ist schon drunter. Der ist heute mega anstrengend. Ich dusche schnell, dann Mittag. Dann soll ich mich im Geschäft melden, es gab einen Führungswechsel. Da ich daran kein Interesse habe, ist das kein Problem. Villa. Dann bin ich mit einer Mama zum Kaffee verabredet, eigentlich habe ich Bauchweh und Kopfschmerzen. An der Rezeption hole ich ein Paket für Freya ab und versuche mich in unserem dunklen ruhigen Zimmer auszuruhen. Ich komme nicht mehr gut zum Aufräumen, es ist chaotisch hier. Ich lasse eine Gruppensache sausen. Immer noch Bauchweh. Mir ist kalt. Dann Abendessen und bisschen Spielplatz. Dann ein Videoanruf mit Papa und ich versuche, mit Ordnung im Zimmer auch Ordnung in mir zu schaffen.

Tag Siebzehn

Die Nacht war erholsam, ich bin froh. Hier fangen die Leute schon an zu sagen, „dass es bald geschafft ist“ … Ich weiß nicht, ob mich das freuen soll oder nicht. Ich bin hier entspannter. Freya und ich sind hier ein Team. Trotzdem ist der Morgen dezent nervig – ich versuche mich um die Dinge zu kümmern, die ich ändern kann, eine neue Frisur zB. Ich habe noch mal Kunsttherapie, diese schleichende Art, Dinge zu fühlen. Wir überziehen die Zeit und kommen zu einem Abschluss. Ich möchte unbedingt zur Wirbelsäulengymnastik und gehe noch hin, als es schon angefangen hat. Aber ich bereue es gleich, denn die Übungen sind für mich und meinen Bauch zu viel. Es zieht mich total runter, zusätzlich zu diesem allgemeinen Gefühl des „zum Ende kommen“. Dann darf ich schon zum Abschlussgespräch für den Arztbrief. Beim Mittagessen und der dortigen Lautstärke reagiere ich, und sage laut zu meiner Kleinen: „tut mir leid, es ist zu laut hier“ und es wird schlagartig ein Level leiser. Dann gehen wir hoch und während sie Peppa schaut, lässt sie mich schlafen. Villa. Dann lauf ich Richtung Kurpark, Kastanien sammeln und ans Gradierwerk legen. Ein paar Tränen rollen, ich weiß nicht warum und das ist auch egal. Ich gönn mir einen Weißherbst im Kurhaus. Mein Besuch und ich holen die Kleine und gestalten den Rest des Abends zusammen. Es ist schön, von der Arbeit zu hören, obwohl ich mich zurecht und zum Glück noch weit weg fühle. Und es ist schön, ihr Gesicht zu sehen, wenn ich es sonst 4 von 7 Tagen in der Woche direkt neben mir habe. An ein müdes Mädchen gekuschelt, fühle ich mich dann zufrieden.

Für alle die sich fragen, wie lang mein Pony ist

Tag Achtzehn

Wir haben morgens unserem Rhythmus, aber sie ist zu müde. Heute geht’s eher ins Bett. Ich bin etwas genervt und das Abgeben in der Villa klappt nicht gut. Am liebsten würde ich wieder zurück stürmen und mich entschuldigen. Ich sage einen Nachmittagstermin ab, weil ich etwas vorhabe. Dann ruhe ich ein bisschen, das Zimmer weiterhin chaotisch. Hier ist die Aufbruchstimmung greifbar, das lässt mich ungewollt unruhig werden. Die Organisation der Abreise wird bereits kommuniziert. Obwohl die Sonne scheint, abends ist es kalt. Der Oktober ist endlich da. Ich nehme die einzelne Krankengymnastik wahr, meine Füße brauchen wirklich richtige Hilfe daheim. Bei den Schwestern dann Abschlusswiegen, Blutdruck und Rückgabe der Wärmflasche. Verliere das erste Mal was im Haus, finde es aber wieder. Ich räume ein paar Sachen beiseite, die wir nicht mehr brauchen und mache eine Wäsche. Dann Mittag – ich hatte mich auf den Lachs gefreut, nun ist der mit Spinat gemischt, dann also doch die Veggie-Wurst für mich. Ich vermisse mein Essen daheim. Am Nachmittag geht es für mich und meine eine Mama wieder ins Solemar. Das tut gut, sie tut mir so gut, wenn sie da ist. Abendessen. Spielplatz. Aber bald gehören wir ins Bett. Am späten Abend bekomme ich heftige Krämpfe, nach 2 Stunden nehme ich 3x 500er und kann nur hoffen. Es wird nicht besser, ich gehe alles durch, was ich gegessen habe. Das ist nicht normal, ich google die blöde Wurst. Unglaublich, das Eiweiß der Wurst wird aus Schimmelpilzen gewonnen = ich vertrage das null, andere Mitglieder meiner Familie erleben damit eine Lebensmittelvergiftung. Die Kleine neben mir schläft schlecht, ich könnte sie nie alleine lassen, um zu den Schwestern zu gehen. Ich habe Angst. Dann kommt der heftige Durchfall. Die Nacht ist die Hölle.

Tag Neunzehn – der Abbruch

Am Morgen Schmerzen, wässeriger Durchfall, Kreislauf, Tränen und Überforderung. Es ist Samstag und Papa kommt. Nach dem Frühstück und ein paar Büchern sowie einem Beutelwechsel gehen wir zum Streichelzoo, ihn Papa zeigen. Alle drei auf einen Haufen ist wieder komplizierter, aber ich bin auch total neben mir. Im Streichelzoo ist es wieder schön, aber mit Bauchschmerzen und schwach lege ich mich auf eine Bank auf dem Spielplatz, mache die Augen zu. Die Batterie vom Skoda ist tot, haben wir heute morgen gemerkt. Zu alt, zu wenig bewegt. Zum Mittag hatte ich ein schönes Essen geplant im Wald Café mit Aussicht. Es ist voll, laut aber lecker und ich habe so Hunger. Nach dem Essen geht’s ins Zimmer zur Pause. Dort ist der Müll, der viele Müll nach dieser Nacht, immer noch im Bad. Also befördere ich den Müll dreifach verpackt raus auf den Balkon. Bevor wir mit Mutter J. und Sohn Eis essen gehen, überbrücken wir noch das Auto um sicher zu gehen, dass es laufen kann. Ziemlich platt und schwach und mit Schmerztabletten voll geht’s danach zum Drachenbasteln im Pfarramt. Der Durchfall hört auch nicht auf, ich weiß, dass ich reagieren muss. Zurück in der Einrichtung gehe ich zur Krankenschwester, wirklich verstanden fühle ich mich bei ihr nicht, aber ich bin verpflichtet, mich zu melden. Hilfreiche Medikamente bekomme ich auch nicht, aber mit Durchfall heißt es nun 48h Zimmer. In 36h ist Abreise. Meine Reaktion ist schnell klar: sie soll den Arzt in Bereitschaft anrufen, ich breche hier ab. Ich bin nicht ansteckend. Krokodilstränen rollen nun bei mir, als ich meiner Familie und Mutter M. sage, was Sache ist. Ich muss packen, meine Zwei gehen Essen und auf den Spielplatz. Während ich packe, ruf die Bereitschaft an. Es ist zufällig meine Ärztin und sie segnet es ab. Ich packe in einer Stunde mit Pausen in zig Koffer und Taschen all unseren Kram. Dann gebe ich an der Rezeption meine Dinge auf Kaution zurück, außerordentlich und dort ist es auch kein Thema. Die Kleine spielt, mein Mann packt das Auto. Eine meiner Mütter ist nicht da. Die andere kam mich noch im Zimmer verabschieden. Mit der einen Mama sitze ich auf der Bank. Wir halten uns und kuscheln, während wir weinen. Es fällt schwer, ist irgendwie nicht greifbar. Ich fühle nur, dass ich eigentlich noch nicht gehen wollte und dass ich nicht bereit bin, mich von ihr zu trennen. Sie gibt den Schlüssel für uns ab, da die Rezeption unbesetzt bleibt. Wir überbrücken das Auto, ich fahre den Skoda mit Kind samt Tablet. Mein Mann hinter uns. Mit 80 Richtung Zuhause, denn schneller schaffe ich nicht sicher, in die Dunkelheit hinein ohne Brille. Je dunkler, desto unsicherer fühle ich mich und desto mieser fahre ich auch. Zuhause nehme ich Tabletten aller möglichen Art und wir fallen ins Bett.

Plus zwei Tage

Nach einer langen guten Nacht schlag ich die Augen auf und denke, mein Kurzimmer zu sehen. Mein Hirn ist verwirrt. Wir packen aus, machen Wäschen und realisieren, dass eine neue Batterie her muss. Viele Pausen. Viel justieren. Denn nach fast drei Wochen ist es für die Kleine nun natürlich eine Umstellung. Ich bereite Essen zu, schreibe die Einkaufsliste und sandle mit der Kleinen. Durch den anhaltenden Durchfall muss ich echt viel trinken. Die neue Versorgung war heute auch notwendig. Zum Glück sind zumindest die Schmerzen weg. Ich schreibe eine Mail an zwei Ansprechpartner der Kureinrichtung, ebenso sage ich meiner Chefin Bescheid. Ich sollte nicht hier sein. Ich hätte noch Termine gehabt. Ich hätte noch Zeit mit Menschen gehabt. Ich hätte noch einen richtigen Abschluss gehabt zu dieser Reise. Ich hätte noch einen kleinen persönlichen Ausflug gemacht und das Gradierwerk noch mal besucht. Hier ist es ruhig. Nur ein Kind. Der Durchfall ist weg. Alles erholsam. Aber gleich gibt es wieder Aufgaben ohne Papa. Werkstatt. Arztversuch 1 mit Unverständnis der Arzthelfer. Einkaufen. Die Kleine testet. Arztversuch 2, bei dem ich mich fühle wie ein Bettler. Nach über einer Stunde mit Kind bin ich wütend und gehe zur Arzthelferin, frage ob es nicht anders geht. Da kommt grad der Arzt. Daheim machen die Zwei was und ich kann ausruhen. Brauche die Zeit. Morgen früh wäre ich heim gegangen.

Meine eine Mutter fehlt mir, sie dreht an meinem Tag Zwei Daheim ihre letzte Runde in Bad Dürrheim und nimmt mich mit an meinen Lieblingsort mit meiner neuen Sammel-Lust: Kastanien.

… Wochen später

Da schreibe ich diese Zeilen aktuell, 5 Wochen ist das alles her. Was sind meine Kurziele, hab ich mich in der Kur gefragt. Ich wollte aus dem Hamsterrad raus und durchatmen. Das habe ich geschafft. Ich wollte mal keine Verantwortung für Essen oder Tagesablauf, das habe ich geschafft. Der einfache Rahmen der Kur hat das meistens ermöglicht. Ich wollte die Kraft haben, einen Plan mit kleinen Schritten zu machen, an dem ich mich entlang hangeln kann. Um mich gesünder und besser zu fühlen. Der Plan steht, ich versuche, einen Punkt nach dem anderen zu erledigen. Ich wollte mehr Ruhe mit nach Hause nehmen, das habe ich nicht so ganz geschafft. Für meine Probleme am Ende bekam ich zwar eine Entschuldigung. Helfen tut mir das nicht. Es macht mich nur vorsichtiger in der Zukunft und macht mir bewusst, worauf ich bei weiteren Maßnahmen achten muss. Etwas, was mich in den ersten Wochen nach der Kur sehr beschäftigt hat – also traurig und wütend auf mich selbst gemacht hat – war, dass ich mich so weit weg von uns gefühlt habe, von meiner Tochter. Alltag, Verpflichtungen, Krankheit und mehr ließen mich in ein Loch rutschen, in das ich nicht wollte. Es war für alle einige Zeit notwendig, wieder anzukommen. Ich bin sehr froh, diese Zeit überstanden zu haben. Ich wollte, dass die Kurzeit eine gemeinsame Zeit wird, die mir als Erinnerung Kraft gibt, mich und meine Tochter zusammen bringt. Die Kraft, die Mutter zu sein, die ich sein möchte für meine Tochter und die Kraft, die Person zu sein, die ich sein mag und kann. Auch das habe ich ein bisschen geschafft, es zaubert mir ein kleines Lächeln ins Gesicht.

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