Willkommen zu „Würzburg durch meine Augen“

In einem Tag habe ich noch so viele schöne Bilder gemacht. Und jemand hat auch Bilder von mir gemacht, was ja eher ungewöhnlich ist derzeit. Mi nennt es langweilige Bilder, weil Sie denkt, die Bilder sagen nichts aus. Ich mag ihre langweiligen Bilder von mir sehr. Die Temperatur war richtig – ja es war frisch, die Sonne stand richtig – fast zu viel für meinen persönlichen Geschmack, ich hatte genug Ruhe sowie Zeit und die richtigen Motive waren vor der Linse. Alle zeige ich euch natürlich nicht, denn ich war ja nicht alleine in Würzburg und ihr kennt’s: Hier wird niemand anderes von Vorne gezeigt für mehr Likes 🙂




Nach fast 3 Stunden Anfahrt klopfe ich an der Hotelzimmertür – Mi war vor mir angereist und hatte schon eingecheckt. Es war etwas ganz anderes, hier in Würzburg… nicht mehr die Kur-Blase, aus der wir stammten. Würden wir in der richtigen Welt weiterbestehen, ohne diese Rahmenbedingungen „Kur“ und ohne Kinder, einfach nur für uns?
Mit meinen guten Schuhen bewaffnet, sind wir durch die Stadt spaziert. Weder Mi noch ich waren zuvor in Würzburg gewesen, es ist in Deutschland unsere Mitte. Sie im Norden, ich im Süden. Wir waren auf dem Gelände der Residenz und sind einen Teil des Ringparks gelaufen. Der Kiliansdom ist beeindruckend weiß und die Orgel schön. So verbaut in seine umgebenden Gebäude hab ich selten eine Kirche gesehen. Die Alte Mainbrücke ist voller Leute beim Brücken-Schoppen und Quatschen. Habe ich noch nie gesehen, aber die Sonne wurde anstrengend für mich und nun ja, die Brücke lag brach in der Sonne. In der Innenstadt gibt es gefühlt jeden Laden, den man brauchen könnte – zumindest wirkt es so. Nach ein bisschen Schatten-Tanken, wie ich es ab jetzt nenne, waren wir noch beim Alten Kran am Mainufer und haben Rast eingelegt in der Marien-Kapelle, definitiv die größte Kapelle, die ich je gesehen habe und die keiner Religion angehört. Mi und ich machen einfach dort weiter, wo wir Anfang Oktober aufgehört haben. Es ist genauso leicht wie zuvor. Es ist genauso eine Wohltat, gemeinsam zu lachen. Es ist genauso schön, jemanden nach und nach kennenzulernen. Es ist genauso interessant wie zuvor, weil wir sehr unterschiedlich sind. Steht uns aber nicht im Weg, wir profitieren beide davon und feiern einander. Der Nachmittag verflog und unser nächster Programmpunkt war Schwarzlicht-Minigolf in der Schwarzlichtfabrik. Die Bilder an der Wand und der Effekt auf gewisse Farben ist cool. Das war mein zweites Schwarzlicht-Minigolf und wieder war die Brille unbequem oder gar impraktikabel. Macht zum Glück auch ohne Spaß, die Bahnen waren leider schief. Hat unseren Spaß jedoch nicht aus der Bahn geworfen. Ich weiß, nicht mein bester Wortwitz. Danach hatten wir Hunger und hatten zum Glück im besten Sushi-Laden der Stadt Plätze reserviert. Der war nämlich richtig voll. Ich hatte vorweg nicht sehen können, ob es dort „running Sushi“ gab – um so größer war unsere Freude, als da zwei gemütliche Plätzchen frei waren. Satt, aber nicht vollgestopft liefen wir langsam, weil meine Beine und Füße doch ganz schon mitgenommen waren, zurück zum Hotel. Im 15. Stock setzen wir uns auf das Sofa vor dem riesigen Fenster und genossen die Nacht draußen. Lieber Hotelgast nebenan: Es tut uns ein klein bisschen leid, dass wir dich mit unserem Lachen um 23 Uhr wachgehalten haben und du an die Wand klopfen musstest. Es war sehr schwer, uns danach zu zügeln, aber auch wir haben Schlaf gebraucht. Der Sonnenaufgang am nächsten Morgen war unfassbar schön anzusehen. Nachdem ich beim Frühstück erst mal ein Glas zerbrochen hatte, lief es sehr gut. Habt ihr schon mal Pancake mit Frischkäse und Bacon gegessen? Liebe das. Der Rest vom Frühstück war gleichermaßen lecker. Wir checkten aus und liefen zur letzten Sache unserer gemeinsamen Zeit.

























Wir waren floaten. Das bedeutet, dass der Körper an der Oberfläche einer 35 Grad warmen Sole schwebt. Das ist die Temperatur der Haut, der Körper muss nicht kühlen oder aufwärmen. Schwerelos schweben zum Entspannen. Textilfrei können sich die Grenzen des Körpers auflösen. So viel zur Theorie. Die Einweisung in das Floaten war gut, denn es war vorsichtig und durchdacht. Nach der Einweisung waren wir unter uns, wir legten uns in die riesige flache Wanne und unsere Körper wurden von der einfließenden Sole in den Schwebezustand gehoben. Nach 60 Minuten begann der Wasserpegel wieder zu sinken und legte uns wieder ab. Die einzige Sache, in der wir uns einig waren, war das Gefühl, dass wir die vergangene Zeit auf 20 und nicht 60 Minuten geschätzt hätten. Etwas hätten wir richtig gemacht, meinte der Betreiber dazu. Interessanter Weise, wir erinnern uns kurz daran, dass Mi und ich sehr unterschiedliche Menschen sind – bewerten wir die Erfahrung unterschiedlich und haben die Entspannung unterschiedlich genutzt. Mi auf der einen Seite hatte nach Startschwierigkeiten eine schöne Erfahrung, die allein wiederholt werden will. Die Schwerelosigkeit und die Kontrollabgabe war für sie angenehm und führte zur Entspannung. Ich auf der anderen Seite hatte durchweg Probleme und obwohl dankbar für die Erfahrung mit meiner Freundin, würde es höchstwahrscheinlich nicht mehr machen. Bei mir war die Entspannung im Geiste passiert, durch andere Erfahrung fiel es mir leicht, aufkommende Gedanken im Wasser abzulegen und einen relativ ruhigen Kopf zu haben. Aber ich saß zwischen drin und habe auch für Mi Unruhe reingebracht. Denn obwohl ich Wasser liebe und dachte, dass Floaten doch ideal sein müsste für mich, war es das nicht. Ich hatte große Probleme mit der Schwerelosigkeit, körperlich. Finde das mega schwierig zu erklären, ich war nicht schwerelos, ich habe mich teils schwer wie Stein gefühlt. Der Kontrollverlust von meinem Körper, also zu spüren, wie der Verlust sich körperlich anfühlt, war für mich kaum zu ertragen. Verwischende Grenzen von meinem Körper und allem, ein nicht greifbares Konzept. Und ja, jeder der mich kennt mich kennt, wird denken, klar kann Elisa keine Kontrolle abgeben. Und jeder, der das denkt, lebt nicht seit fast 16 Jahren mit mein Leben und Körper als chronisch Kranker. Natürlich habe ich ein Kontroll-Thema! Surprise

Trip-Fazit: Mein Bauchgefühl hatte mir vor der Anreise gesagt, dass wir schon nicht mehr in der Kur-Blase gelebt hatten seit Anfang Oktober. Weil ich wusste, wie sich das anfühlt, danach wenig bis keine Verbindung zu fühlen und so kommt es eben auch. Aber das hier war anders und ich spürte es. Ich hatte keinerlei Sorge, dass unsere 24 Stunden gemeinsam komisch oder unangenehm werden würden. Dass wir ein Zimmer und sogar eine Float-Badewanne teilten, war für mich vorher und mitten drin nie komisch oder falsch. Die Kur-Blase lag schon lange hinter uns, in meiner Welt. Diesem Mini-Trip-Bericht zu entnehmen sollte sein: wir sehen uns wieder!
Lust auf einen anderen Mädchen-Trip-Bericht nach Tallinn, Estland aus 2023? Hier lang!

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