2019 · Kopf und Herz

Erwachsen werden

IMG_1824Erwachsen werden ist ein Prozess, den ich überhaupt nicht in einen Moment zu quetschen vermag. Ich finde, dass Erwachsen sein auch ziemlich komplex ist, kann das Erwachsen werden wohl kaum innerhalb einer Sekunde geschehen. Deswegen verbinde ich persönlich mit dem Werden und mit dem Reifeprozess ganze drei Ereignisse.

Erwachsen werden bedeutet, das Kind ein Stück weit hinter sich zu lassen und sein eigenes Interesse nicht mehr als das Wichtigste zu sehen. Als ich zehn Jahre alt war, ließen sich meine Eltern scheiden. Damit hörte ein Stück meiner Kindheit auf, der Mutter-Vater-Kind-Haushalt zerbrach. War ich zwar sehr bald der Meinung, dass es so für alle das Beste war und meine Eltern getrennt glücklicher waren. Leicht war es deswegen noch lange nicht für mich. Ich musste schnell selbstständiger sein, ich musste mehr Konflikte miterleben und ich fühlte nicht mehr immer kindlich geschützt.

Erwachsen werden bedeutet, sich wirklich kennenzulernen und zu sich selbst zu finden. Als ich sechszehn Jahre alt war, verließ ich alles Bekannte und wanderte auf Zeit aus. Ein Jahr lang lebte ich in den Staaten, ich war Teil einer Familie, ging zur Schule, hatte ein normales Leben und blühte unwahrscheinlich auf. War ich davor in meiner Jugend ziemlich unglücklich mit mir selbst gewesen, lernte ich mich lieben und fand mich, wie ich gedacht war. Eine verrückte Frohnatur, mit ganz viel Herz und Lebenslust, mit Bock auf die Welt und ganz sicher niemand, der in der Menge verschwand.

Erwachsen werden bedeutet, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und in jeden Fall auch dafür geradezustehen. Als ich neunzehn Jahre alt war, traf ich auf meinen Crohn. Es veränderte meine Leben und ich trug von diesem Moment an sehr viel Verantwortung und stehe für jede Sache ein, für die ich mich entscheide. Ich musste mehr nach mir schauen und vernünftiger sein, als meine Altersgenossen. Ich musste mit größeren Konsequenzen meines Handels leben, mehr als meine Altersgenossen. Ergo war ich stets bemüht, um das normale Leben neben dem kranken Leben zu schaffen.

Als ich meinen Crohn traf, wurde ich letztendlich voll erwachsen. Es war mein letzter Schritt, meine letzte Abfolge von Momenten, die mich genau zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin. Erwachsene wissen nicht alles, sie machen genauso Fehler und lernen dann halt daraus, ein guter Erwachsener bleib immer ein Stück weit Kind. Sonst wird man einfach nur alt, verstaubt in sich, bleibt stehen und lebt überhaupt nicht.

Der Erwachsene, der ich heute weitere zehn Jahre bin, gefällt mich sehr gut. Ich entwickle mich stetig weiter, mache viele Fehler und lerne daraus – von Fehlerfreiheit bin ich weit entfernt. Wir alle sind das. Meine Freude und Liebe für das Leben und was es mir gibt, erfüllt mich mit Dankbarkeit. Ich habe Dinge erreicht und ich bin noch lange nicht fertig. Ich weiß, was ich kann und wer ich bin, auch wenn ich meine schwachen Momente habe. Ich bin stolz, dass ich mich nicht verstellen muss und glücklich sein kann  mit dem, was mein Leben bereits beinhaltet hat. Ich wurde erwachsen, als mein ideale  Kindheit endete, ich mich in meiner Jugend im Herzen fand und dann die wichtigsten Prioritäten in meinem Leben aufgezeigt bekam: Gesundheit und Lebenswille!

 

 

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