2019 · Gäste und Öffentlichkeit · Geschichte und Leben · Kopf und Herz

Beutel-Bilder, sie sind überall …

… und das zu Recht. Es ist mutig und wichtig, seinen Beutel immer wieder zu zeigen. Und so ein Beutel ist keine Abscheulichkeit, die Bilder sind echt, ausdrucksstark und schön. Ich selbst zeige seit zwei Jahren über meinen Blog meinen Beutel, meine Narben und Ru. Für mich jedoch, und deswegen schreibe ich diese Zeilen, ist es unrealistisch, meinen Beutel spontan jederzeit in Szene setzen zu können. Deswegen gibt es von mir nicht andauernd Beutel-Bilder und das möchte ich erklären. Der Grund, warum ich das hier schreibe, ist das aufkommende Gefühl, dass man mit wenig Beutel-Bildern nicht so weit in der Öffentlichkeit kommt wie mit vielen Beutel-Bildern. Weiterhin habe ich in den sozialen Medien immer mehr das Gefühl, dass jeder Stomaträger nur tolle Unterwäsche trägt und alle drei Sekunden fähig ist, eines der tollen Beutel-Bild zu machen, überall und voll natürlich. Diese Eindrücke lassen in mir das Gefühl aufkommen, dass man nur mit dieser Vorgehensweise als Vorbild und bei-sich-angekommen wahrgenommen wird. Mein Hauptanliegen in diesen Zeilen ist eine einzige Sache: Das Selbstbewusstsein und die Souveränität eines Stomaträgers hängt nicht davon ab, wie leicht zugänglich und öffentlich sein Beutel ist. Also wenn du, wie ich auch, bei dir angekommen bist, das Stomaleben akzeptierst und stets dein Bestes gibst, aber deinen Beutel nicht so oft zeigst: Das ist völlig in Ordnung und eine von vielen Möglichkeiten, mit seinem Stoma durchs Leben zu gehen. Es gibt mehr als eine Herangehensweise und ich bin wohl ein Vertreter der Angezogenen. Das Gefühl, das mal richtig anzusprechen, hat mir jetzt lange auf dem Herzen gelegen.

e_Fotor

Meine öffentlichen Beiträge waren schon immer zusammengesetzt aus mehr Text und wenigen Bildern, das ist in sozialen Medien nicht immer ganz so leicht verdaulich. Mache ich damit etwas falsch? Nein, denn ich mache das, womit ich mich wohlfühle und was ich gut finde. Natürlich bleibe ich bei meinen Texten, an denen ich viel Spaß habe und ich verbleibe bei meinen Bildern, die lange nicht jede Woche meinen Beutel oder Ru zeigen. Als persönlichen Eindruck habe ich mich mal ein paar Tage morgens fotografiert – angezogen und aufgeräumt. Meine Stomakarriere war fast von Beginn an bestimmt von hoher Unterwäsche von Comfizz oder Vanilla Blush, einem Stützhemd und einer festen medizinischen Bandage. Durch meine Hernien Kleidungsstücke, auf die ich nicht verzichten würde. Gut sortiert ist eh mein Ding. Wo andere das Shirt heben und den Beutel zeigen können, nun ja, seht ihr bei mir nichts. Bis ich meinen Beutel ausgepackt habe, vergeht erst mal ganz schön Zeit 😉

Diese Bilder sind meine Realität, mein Alltag und echt. Genauso wie es vielen andere Bilder sind, von mutigen Strandgängern in der Mitte ohne, von Momenten der nackten Wahrheit und von authentisch intimen Augenblicken voller Emotion. Viele Wege führen nach Rom, heißt es – ob du das lockerer oder angezogen machst, ist egal. Das Ziel ist dasselbe: Ein gutes Leben mit Stoma!

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