„Ich hab es dir ja gesagt“ MfG dein Bauchgefühl

Das berüchtigte Bauchgefühl soll ja ein wirklich kluger Kopf sein…

Aber mit einer CED und dazu in einer reizüberflutenden Welt von heute ist es schwer, einem Instinkt wie diesem echtes Vertrauen zu schenken. Unser Bauchgefühl, unser ganzer Körper, spürt Dinge, die der Geist nicht greifen kann und das Herz nicht greifen mag. Die meisten Menschen der heutigen Zeit richten sich nur noch nach dem, was sie erreichen und fühlen möchten. Gerne sind das sogar Vorgaben von Extern, nicht die individuelle Wünsche und Bedürfnisse des Einzelnen. Menschen richten sich nicht nach dem, was sie brauchen. Was ihr Körper wirklich braucht. Nicht nach dem, was sich selbst wünschen. Was sich ihr Geist und ihr Herz wünscht. Sie vertrauen nicht auf sich selbst und das Gefühl, dass sie leiten könnte. Die Menschen verlernen es sogar gänzlich.

Mit einer CED zu leben schwächt unsere Fähigkeit, auf uns selbst zu hören noch mehr es die schnelllebige gefakte Welt von heute. Nicht falsch verstehen: wir hören mehr auf Bedürfnisse, wenn wir uns kennengelernt haben. Aber uns selbst, unserem Bauch vertrauen, das ist schwieriger geworden. Weil das, was aus unserem Bauch heraus entsteht, uns quält. Es zeigt uns unsere Schwächen, wo wir sie nicht sehen wollen. Mehr als es sein müsste, um uns wachzurütteln. Das, was aus uns entsteht, lässt uns zweifeln, an uns und unserem Können. Unser Bauch und alles was ihm folgt, hält uns zurück, wenn wir nicht zurückgehalten werden wollen. Wir stecken aber unweigerlich zurück und leiden darunter. Sich auf etwas zu verlassen, was aus unserem Bauch kommt, braucht Mut. Unbeschreiblich viel Mut. Über die Jahre hab ich immer wieder übersehen, was ich brauche. Was mein Körper braucht, was mein Herz stärker schlagen lässt und was meinen Geist beflügelt. Zu oft das Bauchweh ignoriert und überspielt, weil ich nicht auf meinen Körper hören wollte. Zu oft Sachen gemacht, obwohl in mir dieses dumpfe Krummeln war, welches ich genau kannte, aber nicht hören wollte. Zu wenig in mich gelauscht, zu wenig gemacht, was ich dachte, zu wenig nach mir geschaut. Erst kürzlich hatte ich ein Erlebnis, dass mich mit meinem Bauchgefühl neu verbunden hat. Deshalb schreibe ich diese Zeilen. Es spielt keine Rolle, was es genau war. In diesem Erlebnis kam ich mir vor wie im falschen Film, bevor es passierte. Ich wusste, dass etwas auf mich zurollte, aber nicht was und nicht, wie es mich treffen würde. Als es passierte, geriet ich in einen Schockzustand. Ich sah niemanden mehr, alles hörte sich weit entfernt an. Ich weinte. Mir kam es schier hoch. So etwas hatte ich noch nie. Ich tat das einzige, was sich für mich richtig anfühlte – ich ging und entfernte mich komplett von dem Ereignis. Ich heulte mich aus, weil die Emotion berechtigt war. Ich ließ Zeit vergehen. Um mich zu erden, mir klar zu werden, was nun in meiner Macht stand und was nicht. Bis sich mein Bauch ruhiger anfühlte, ungezwungener und unverkrampft. Und das bereue ich nicht.

Bauchgefühl

Es zeigt uns, was wir brauchen. Es lehrt uns, ehrlich auf uns zu hören. Es gibt uns leise oder laut Hinweise, was uns gut tut. Es weist uns die Richtung an. Ob wir hören wollen, was es sagt oder nicht. Das Bauchgefühl ist der beste Kompass. Wir müssen nur lernen, ihn richtig zu lesen und richtig anzuwenden.

Der Kompass macht, was er soll.

Nicht, was wir uns wünschen würden.

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5 Kommentare

  1. Hi,
    Das stimmt mit dem Bauchgefühl völlig ich bin ganz bei dir!
    Bisher konnte ich mich immer auf mein Bauchgefühl verlassen.
    Nun stecke ich aber seit zweieinhalb Jahren in der Klemme. Nur ganz kurz: ich habe ein Stroma was auch zurück verlegt werden könnte. Nur fehlt mir wie gesagt der besagt im Mund diesen Tritt zu gehen. Immer wenn ich daran denke kommen wieder Ängste hoch oh je wo ist denn die nächste Toilette… Was kann ich alles nicht mehr essen und machen. Mir geht es tatsächlich mit dem Stoma Mega gut. Trotzdem vergeht kein Tag an dem ich nicht denke, dem Cheep hab ich doch eine Chance zu geben. Dieser Gedanke wird dann aber schnell von meinem Sicherheitsbedürfnis ein kassiert. So geht das nun schon die ganze Zeit. Der Plan war eigentlich nach drei Monaten die Rückverlegung zu machen.
    Hast du einen Rat für mich?

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    1. Hi Birgit, danke für deinem Kommentar. Darf ich fragen, warum du das Stoma bekommen hast und welche Art?

      Ich weiß, dass viele Menschen, die nur temporär ein Stoma bekommen bzw. dies nicht als Lebensretter, sondern als Schonungsmaßnahme erhalten, mit dieser Frage hadern. Du bist ganz gewiss nicht allein, die Frage ist nur extrem individuell.

      Da es dir mit dem Stoma gut zu gehen scheint, sind meine Fragen an dich: warum möchtest du zurückverlegen lassen? Willst du das oder wollen das andere? Worin wirst du durch das Stoma gehindert und was vermisst du an deiner Zeit vor dem Stoma? Kannst du dir den Rest deiner Tage mit Beutel vorstellen- egal wie alt du jetzt bist und was du noch vor hast?

      Ich beantworte dir diese Fragen aus meiner Sicht auf mich bezogen (ich, die nicht auf Leben und Tod auf eines angewiesen war und sich trotzdem dafür entschieden hat): a) erst wollte ich nur die Zeit mit Stoma rumbringen, bis ich merkte, wie viel besser es mir damit ging b) ab dem Zeitpunkt, an dem ich das realisierte, sprachen nur noch die anderen von Rückverlegung, niemals wieder ich. C) Das Stoma ermöglicht mir Sachen, es hindert mich nur an ein paar Aufgaben wie starker körperlicher Belastung und Tragen, ansonsten kann ich alles wie davor d) ich vermisse meine unbeschädigte Bauchdecke durch Hernien, aber due Gefahr hätte ich auch nach der Rückverlegung. Ehrlich gesagt erinnere ich mich nur mit Schrecken an die Zeit vor’m Stoma. E) ich gehe reisen mit Stoma, weiterhin und mehr. Das will ich noch ganz viel machen. Ich habe so ein Kind auf die Welt gebracht. Ich gehe arbeiten, mein Leben ist voll. Ich habe mich mit unter 30 für ein Leben mit Stoma entschieden- auch wenn das nicht immer leicht ist. Ich muss mit der Entscheidung leben.

      Das müsstest du auch. Und deswegen musst du entscheiden, ob du unbedingt einen Versuch wagst und dich noch mal zusammensetzt mit Rückverlegten oder dich mit einem Leben samt Beutel auseinandersetzt 🙂

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      1. Vor über 2 Jahren hatte ich eine komplette Dickdarmentfernung aufgrund 30jähriger Cu allerdings 15 Jahre in Remission (kaum Beschwerden , nur Salofalk und meist 1 Stuhlgang morgens nach dem Kaffee) Es wurde gleich bei der OP ein j Pouch gelegt.
        Der Chirurg gibt mir eine sehr gute Prognose mit dem Pouch. Wenn ich allerdings Betroffene höre, so ist die Wahrscheinlichkeit von Problemen doch sehr hoch ; Inkontinenz , Essenseinschränkungen, nachts nicht schlafen, häufige Toilettensuche oder Entzündungen des Pouches.
        Ich empfinde einen gewissen Druck für die RV, weil es eben so vorgesehen ist und der Pouch wohl mit der Zeit schrumpft…Klar ich kann es ausprobieren und wenn es nicht gut ist zum Stoma zurück… aber ist es dann wieder so gut wie jetzt und wie lange lauert es mit dem gutwerden, so oder so…
        Wenn ich mit Betroffenen spreche, ist es sehr unterschiedlich.. manche sagen mit Stoma ist vieles einfacher, andere sind trotz starker Probleme mit dem Pouch zufrieden, weil nochmal eine große OP ist halt auch abzuwägen…..

        Ich bin 46, habe 3 Kinder und einen Mann und bin ein aktiver Mensch der sehr gerne unterwegs ist auch mal spontan und gerne reist; gerade war ich übers Wochenende auf einem Städtetrip und musste extrem oft denken, bin ich froh mit dem Beutel. Keine Sitzungen auf ekligen Klos. Kein Stuhldrang und das ständige Überlegen, wo ist hier ein Klo?

        Aktuell habe ich keinerlei Probleme mit dem Stoma, nur der Pouch hat mich schon einige Male mit Entzündungen geärgert…ist dann auch schon nervig

        Wie gesagt ich drehe mich im Kreis und habe Sorge so oder so mich falsch zu entscheiden und dann zu sagen hätte ich mal lieber…
        Mein liebes Bauchgefühl gib mir doch mal eine Antwort!!!

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