DR RICHDIGE BÄBB UFF AM BAUCH

Äh bitte was? Übersetzt heißt das wohl: 
DER RICHTIGE KLEBER AUF DEM BAUCH

Es ist definitiv wieder Zeit für ein bisschen Theorie für nicht-Stomaträger. Heute möchte ich euch ein paar grundsätzliche Einblicke in die Möglichkeiten der Stoma-Versorgung geben. 

Ich fange ganz simpel an: Der Darm schaut an einer Stelle des Bauches heraus. So nackt kann der arme Kerl natürlich nicht bleiben, sonst würde wir uns ja alle ins Hemd machen. Deshalb bekommt der Darm, hier das Stoma, eine Versorgung, um von der Außenwelt abgeschirmt zu sein. Die Versorgung besteht aus einer Platte und einem Beutel, entweder in einem Stück als Einteiler oder getrennt als Zweiteiler. Die Platte klebt komplett auf dem Bauch, hat ein Loch für das Stoma und ist zugleich als Hautschutz zu sehen. Die heutigen Materialien sind schon der Wahnsinn.  Einteiler-Platten kommen mit festem Beutel und bleiben theoretisch einen Tag am Bauch, aus Erfahrung weiß ich jedoch, dass auch Einteiler länger draufbleiben können – der Beutel ist nämlich wiederverschließbar. Zweiteilerplatten können länger auf dem Bauch bleiben, im Durchschnitt drei bis fünf Tage, da der Beutel komplett auswechselbar ist. Nicht jeder und nicht jedes Stoma ist gemacht, um mit einem Einteiler versorgt zu werden und wer wählen kann, hat die Qual der Wahl. Soweit so gut, schon kompliziert? Dabei habe ich noch gar nicht angefangen… denn es gibt natürlich mehrere Hersteller. Das heißt, dass die Versorgung unterschiedliche Designs und Farben hat, aus unterschiedlichen Materialien besteht und sich anders anfühlt. Nicht jeder Hersteller wird von jeder Kasse gleich behandelt und nicht in jedem Land ist das ganze Sortiment erhältlich. Es gibt geschlossene Beutel und Ausstreif-Beutel zum Wiederverschluss, alle in unterschiedlichen Größen und Formen je nach Hersteller. Bei den Platten sind die Variationen immens. Groß, klein, konvex, konkav, plan, mit stärkerem dunkleren Kleber, rund, oval, quadratisch oder sogar wie eine Blume, durchsichtig, in Pflasteroptik und teilweise tatsächlich aus Pflaster oder nur aus beigem Hautschutz bestehend … und das sind noch nicht mal alle Varianten. Die richtige Versorgung ist ein bisschen Geschmacksache, aber leider nicht nur. Einige praktische und unabkömmliche Faktoren spielen eine übergeordnete Rolle bei der Wahl der Versorgung. In erster Linie muss die Versorgung nämlich halten und im Idealfall keine zusätzlichen Probleme machen. Ein häufiges Problem ist eine Allergie auf die Zusammensetzung der Platte, die hält dann natürlich nicht mehr wie sie soll und die allergische Reaktion kann sehr schmerzhaft sein. Ansonsten erschweren häufig die folgenden Faktoren das optimale Kleben der Platte: Übergewicht, Narben und Fisteln sowie andere Hautprobleme im Bereich der Platte und Hernien.

Die Möglichkeiten sind so unterschiedlich wie es die Stomaträger auch sind. Und das hat irgendwie was Schönes. Die Wahl für die richtige Versorgung ist nicht mit einem Wimpernschlag getroffen und ist häufig auch keine Entscheidung für immer. 

Bye Bye Hollister

Aus diesem Grund gibt es übrigens auch gerade jetzt diesen kleinen theoretischen Exkurs: Ich habe nach fünf Jahren zum ersten Mal den Hersteller meiner Versorgung und somit die komplette Versorgung an sich gewechselt. Gott sei Dank nur, weil mir danach war und nicht, weil ich dazu gezwungen war. Ein Hoch darauf. Jede Klinik hat eine Standardversorgung, bei meinen Tübingern war es der Hersteller Hollister. Ich hatte nie ein Problem mit Zweiteilern, auch wenn diese etwas mehr auftragen. Mir war es immer wichtig, nicht jeden Tag an meiner Haut rumbasteln zu müssen und aus diesem Grund bin ich bis heute ein großer Verfechter von Zweiteilern. Auch mit Hollister hatte ich nie ein Problem, das beige Design war in Ordnung und ich kam sehr gut mit dem Material klar. Obwohl ich zwar ab und an etwas anpassen musste in Bezug auf die Platte, dachte ich mir oft: „never change a running system“. Meine Stoma-Schwester hat mich über die Jahre immer wieder angestupst und mich gefragt, ob sie mich beim Probieren unterstützen kann. Aber ich wollte nie wirklich und obwohl ich mal Proben daheim hatte, wurde nie wirklich was daraus. Es war auch nie notwendig, dafür bin ich dankbar. Ein Lob an meine Stoma-Schwester an dieser Stelle. Jede notwendige Anpassung kriegt sie super schnell hin und wenn ich Wünsche äußere, macht sie alles möglich was geht. Sie ist ein wahrer Schatz. Ich weiß nicht, was mich vor einigen Wochen geritten hat, aber ich wollte gerne was Neues probieren. Mal anders aussehen, wenn ich in den Spiegel schaue. Mal ein anderes Gefühl haben, wenn ich meinen Bauch berühre. Wie kam ich also zu meiner neuen Versorgung von Coloplast? Eigentlich ziemlich einfach. Ich wollte weiterhin konvexe Platten und ich wusste, dass ich eine Versorgung von Coloplast tragen wollte. Mit diesen Angaben besorgte mir meine Stoma-Schwester ein paar unterschiedliche Proben und diese probierte ich dann in einem Zeitraum vom drei Wochen aus. Das hat mir persönlich gereicht, um die unterschiedlichen Varianten persönlich für schlecht oder eben gut zu befinden. Relativ schnell stand fest, wofür ich mich entscheiden würde und nun bin ich schon seit mehreren Wochen Coloplast-Trägerin und finde es erfrischend schön. Zum Beuteljubiläum gab es schon Coloplast 🙂

Hello Coloplast

PS: Hier noch mal zu meinem Beitrag über meine Wechsel-Dokumentation seit dem ersten Tag und hier noch mal mein Beitrag zur mir und der Beziehung zu meiner Stoma-Schwester.

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