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Leck mich, Techniker Krankenkasse

… oder auch Update zu: Meine Stoma-Schwester und ich

Ich bin dreißig Jahre alt und war schon immer bei der Techniker Krankenkasse versichert. Nie hätte ich mich beschweren können, dass mir Leistungen verwehrt worden wären. Nie war ich unzufrieden. Nie musste ich mich mit zu viel Bürokratie herumschlagen. Trotz chronischer Krankheit hatte ich mit der Techniker nie Probleme. Die Überschrift lässt vermuten: Dinge ändern sich. Dieser Blog war nie dafür da, mich über andere Menschen auszulassen und böse Schwingungen zu verbreiten, weshalb dieser Eintrag auch eine Ausnahme bleiben wird. Seit einem halben Jahr werde ich mit jeder Monatsversorgung immer wütender und jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, dass ich Dampf ablasse.

Der Vorläufer „Meine Stoma-Schwester und ich“ war vor fast zwei Jahren einer meiner ersten Beiträge überhaupt. Interessant, noch mal zu lesen, wie ich vor zwei Jahren über all das hier dachte. Was aber ist die letzten 6 Monate passiert? Mit meiner Stoma-Schwester und dem Sanitätshaus was ich super eingestellt, alles klappte reibungslos und auch wenn ich weniger Hilfe benötigte, wusste ich, dass immer jemand hinter mir stand. Dann begannen die Briefe der Techniker einzutrudeln. Ich sprach das Sanitätshaus darauf an und mir wurde stets versichert, dass alles weitergehen würde wie bisher. Der Inhalt der Briefe zeigte eine Übersicht über Vertragspartner auf, bei denen ich meine Stoma-Artikel erhalte. Kein Verbot, keine Mahnung, nur folgender Abschnitt: „Die ärztlich verordnete Menge richtet sich nach Ihrem persönlichen medizinischen Bedarf. Dafür übernehmen wir auch die Kosten. Sollten Sie sich für ein anderes Produkt entscheiden, dürfen wir Ihnen die entstanden Mehrkosten (über der gesetzlichen Zuzahlung) leider nicht erstatten.“ Leider? Fickt euch, wirklich. Um meiner Erzählung vorwegzugreifen: Für die Versorgung ohne Sonderwünsche, die richtig hielt und die ich seit langem benutzte, stiegen die Kosten um 500 Prozent, denn ich musst auf einmal für meine bisherige Versorgung statt 10 Euro zwischen 50-60 Euro im Monat zahlen. Zurück zu den Briefen: Es stellte sich heraus, dass die unverhältnismäßig schlechten Verträge der Techniker für viele einfach ein Minusgeschäft waren – sehr schlau gemacht. Somit konnte die Techniker meinem Sanitätshaus die Schuld geben, dass der Vertrag nicht verlängert worden war und das Sanitätshaus konnte die Techniker beschuldigen, miese Verträge zu machen. Ich konnte im Sanitätshaus nicht mehr versorgt werden. Wann kam das alles raus? Als ich grad echt andere Sachen im Kopf hatte – ein neuer Job, in dem ich mich erst zurechtfinden musste und meine Mutter schwer krank seit Wochen im Krankenhaus. Die Wochen verronnen, Geschäft, ins eine Stunde entfernte Krankenhaus pendeln, zurück, schlafen, Geschäft, … ständig in der Angst, bald keine Mutter mehr zu haben. Und dann stand ich einfach von jetzt auf dann ohne Versorger da und sollte schnell entscheiden, wie ich weitermachen sollte. Ich fühlte mich überrannt und war mit der Reaktion meines Sanitätshauses unglücklich und fühlte mich alleingelassen. Meine Vorwarnungen waren nicht ernstgenommen worden und nun hing ich fest in einer Diskussion, wer an der jetzigen Situation „schuld“ war. Dabei war mir das egal, lösungsorientiert war mein alleiniges Diskussionsthema nur: Wie bekomme ich jetzt einen Beutel an meinen Bauch, damit ich mir nicht ins T-Shirt kacke? Ganz einfach, ganz simpel. Im Nachhinein, wie ich jetzt darüber nachdenke, bin ich froh, dass mir das erst nach drei Jahren Stoma-Laufbahn und nicht als Neuling passiert ist. Ohne Erfahrung und Wissen um mich selbst wäre ich total verloren gewesen, wie ein Blatt im Wind ohne Ahnung, was ich brauche. Da es Mitte des Jahres aber auch ohnehin schon chaotisch war, war ich nicht im Stande, große Entscheidungen zu treffen und begann, meine Versorgung über eine Apotheke im Ort zu beziehen. Nationale Versorger lehne ich ab, da diese zu weit weg sind, um wirklich persönlich zu reagieren und ich mit meiner Geschichte einfach jemand in der Nähe wissen möchte.

Zeitgleich legte ich Widerspruch bei der Kasse ein. Dass ein Herumreichen von Material einer unzureichenden Versorgung gleichkam und eher eine Basis-kack-dir-nicht-ins-T-Shirt-Situation bedeutete, wurde überspielt. Schriftlich sowie telefonisch wurde mir immer wieder folgende Argumentation vorgetragen: Hilfsmittel sind zu bewilligen, wenn Sie zur erfolgreichen Krankenbehandlung notwendig sind oder eine Behinderung ausgleichen. Man sei der Meinung, dass man das durch die Kostenübernahme des Materials sicherstellen würde – aber natürlich nur mit einer Hand voll Modellen für 10 Euro. Wenn ich schon was „Besonderes“ haben wollte, und ich erinnere noch mal daran, dass ich keine total krassen Platten oder Beutel habe, dann müsste ich das halt zahlen. Geld regiert die Welt, egal ob man das wahrhaben will oder nicht. Die Techniker wählte immer Worte, die den Schein erweckten, sie hätte nur die besten Absichten und das ist wohl die größte Lüge überhaupt. Ich hätte schreien können vor Wut, wegen dieser Scheinheiligkeit. Besonders, als mir dann noch versichert wurde, dass die Apotheke geschult wäre, sich mit der Thematik auskennen würde und genau wüsste, was sie tut! Leider hatte ich nicht die Kraft, die Sache bis zum Ende auf Biegen und Brechen vor’s Gericht zu ziehen. Nach mehrfachem Kontakt zog ich den Widerspruch zurück, denn ich war so enttäuscht von dieser Versicherung, dass mir klar wurde, dass ich eh gehen würde. Ein Wechsel schien mir eine viel bessere Idee als meine Kraft zu verschwenden an eine Kasse, bei der ich nicht gern gesehen war und die die falschen Werte vertrat. Wirklich, schämt euch ihr geldgeilen Gauner. Ich würde mich schämen, wenn ich solche beschissenen Antworten geben müsste. In Grund und Boden würde ich mich schämen, wenn ich mein Geld mit solchen Lügen verdienen würde. Ich holte mir eine Meinung vom Sanitätshaus, mit welcher Versicherung sie gute Erfahrungen gemacht hatten und hörte mich auch in den Facebook-Gruppen um. Schnell stand für mich fest, ich wollte einen großen Versicherer haben und gerne auch jemanden mit einer Vertretung im Ort. Ich wählte mit ein bisschen Hilfe und ein bisschen Bauchgefühl die AOK, welche ich zum 01.01.2019 endlich nutzen darf. Der Wechsel ging super leicht, die Betreuung schon vor Beginn war perfekt. Die Gesundheitskasse eben. Mein Mann folgte mir, übrigens ein sehr günstiger Versicherter. Fast nie krank, noch nie ernsthaft krank. Hoffentlich bleibt das noch lange so, mein Schatz. Wie die AOK nun schlussendlich sein wird, werde ich merken, aber ich bin guter Dinge. Es wird besser sein – ich darf zu meiner Stoma-Schwester zurückkehren und darüber bin ich sehr glücklich. Sie war mir bisher eine große Stütze und ist mit schuld, dass ich als Stoma-Träger bei mir angekommen bin.

Natürlich möchte ich jetzt ein paar Beispiele der letzten Monate zum Besten geben. Einfach, damit ihr versteht, warum ich das nicht mehr wollte. Einfach, damit man sieht, was die Techniker Krankenkasse unter einer fähigen Apotheke versteht. Ich ließ die Rezepte von meinem Arzt an die Apotheke faxen, damit diese genug Zeit hatte, das Material zu besorgen und doch brauchte ich jedes mal 20-30 Minuten vor Ort. Die Angestellten arbeiteten langsam und ineffizient, wirkten stets unsicher. Als das Material an mich übergeben wurde, kam es so rüber, als würde man aller Schaltjahre mal solche Produkte in der Hand halten. Ich fühlte mich unverstanden und total fehl am Platz. Die Erstattung war jeden Monat ein Thema, inzwischen wusste sogar ich, wie es funktionierte. Bei Unklarheiten und Verzögerungen wurde das immer auf die Kasse geschoben, nicht auf die eigene Organisation. Das hätte ich ja alles noch gelten lassen, da ich mich selbst etwas auskannte. Nun kostete mich aber die Versorgung, die ich unverändert in seiner Zusammenstellung behielt, statt den 10 Euro eben wie gesagt 50-60 Euro. Eine Frechheit, mich von meiner hartumkämpften Versorgung abbringen zu wollen, wenn es doch in dem Laden nicht mal jemanden gibt, der mich beraten hätte können. Ich hatte Glück, dass die letzten Monate meine Platten gut hielten und ich so die Kosten etwas drücken konnte mit der Menge des Materials. Der Brechen kam dann aber im Herbst. Früher hatte ich durch das Sanitätshaus weiche Vlieskompressen, die mir tut getan haben. Sie haben Ru nicht zusätzlich irritiert und keine Blutungen hervorgerufen. In der Apotheke bekam ich so grobe Kompressen ausgegeben, dass ich nur bei einer leichten Reinigung anfing zu bluten und dass eben über die Monate immer schneller und mehr. Ich gab der Apotheke also die Chance, etwas richtig zu machen, ich brachte sogar noch eine Beispielkompresse mit. Den Hersteller wollte die Apotheke aber nicht benutzen und sagte, dass sie andere besorgen würden. Was ich bekam, waren dann drei rießige Kartons von Saugkompressen, die man im Krankenhaus auf Wunden legt – 2 cm dick, 20 cm lang – zur Reinigung von meinem Stoma. Das ist einfach nur saudumm und passiert, wenn du keine Ahnung hast, was du eigentlich tust. Ich nahm die kratzigen Kompressen wieder an. Ich war es leid, zu diskutieren – inzwischen war ich bei der AOK angemeldet und ich musste nur noch einen Monat überstehen. Also bestellte ich wieder meine Rezepte – wie immer mit allen Bezeichnungen und Pharmazentralnummern – und fuhr eine Woche nach dem Faxen vorbei. Es waren nur wenige Sachen, das aller Nötigste. Nach einer Woche war gar nichts passiert, eine der PZN war unvollständig abgedruckt worden. Anstatt es selbst im Internet zu recherchieren, so wie ich auch, wurde ich in der Apotheke aufgefordert, dies Zuhause zu machen und dann noch mal anzurufen. Anstatt es einfach kurz selbst zu machen. Ich bin im Laden schier geplatzt, wie inkompetent und unflexibel kann man sein? Es wurde mir eine Szene gemacht, dass sie in der Apotheke gar nichts für diese Situation könnten. Mein Verständnis war am Ende und so fuhr ich ohne Material noch andere Wege erledigen. Die Apotheke wartete auf meinen Rückruf und den bekamen sie dann auch. Ich schrieb zeitgleich mit meiner Stoma-Schwester, ob ich denn sofort Beginn Januar die Januar-Versorgung bei ihr bestellen könnte mit der AOK und ob ich für diesen Monat zwei Kompressen-Packungen von ihr bekäme. In dem Moment ihrer Zusage rief ich in der Apotheke an und sagte, dass sie meine Rezepte wegschmeißen sollten – ich würde nicht mehr in die Apotheke zurückkommen. Und das Schlimme ist, dass die Apotheke nicht mal realisiert, wo der Fehler lag. Ich war fertig. Dort hol ich nicht mal mehr einen Hustensaft.

Mir ist bewusst, dass jeder individuell mit unterschiedlichen Krankenkassen Geschichten erlebt. Gleiche Kasse, Erfahrungen wie Tag und Nacht. Alles klar. Der selbe Mensch kann aber mit den Kassen seine Erfahrungen optimieren, was ich hiermit mache. Jeder muss selbst entscheiden und sehen, was er oder sie mit sich machen lässt. Man kann nicht sagen, dass ich es nicht probiert hätte. Aber ich bin angewiesen auf Hilfsmittel, die für mich passen und nicht die, die mir vorgeschrieben werden und auf Leute, die mir zur Seite stehen und die wissen, was sie tun. Also leck mich, Techniker Krankenkasse, ihr seid nicht wirklich am Menschen interessiert, sondern nur am Geld.

 

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