2019 · Kopf und Herz

Lila’s Worte zum Donnerstag – 1

Neuanfang

Wenn der chronische Kranke sich Gedanken über anderer Leute Gesundheit macht 

Dieses Bild zeigt unseren kleinen Vorgarten im letzten Frühjahr. Im Vordergrund sieht man die frischen Knospen einer Heidelbeere. Sie war ein Geschenk. Die Knospen sind ein Zeichen für den Neuanfang, für den Beginn eines neuen Abschnitts. Ich hatte immer ein Auge auf die Pflanze und versorgte sie regelmäßig mit Wasser. Sie schlug sich richtig gut und trug Früchte, es war wundervoll anzusehen, wie sich neues Leben in ihr ausbreitete. Aber das Jahr blieb nicht so gut – das Leben passierte, würde ich sagen. Für die Pflanze hieß das: Zu viel Sonne und Hitze, dabei zu wenige Wurzeln, um damit klarzukommen. Sie verlor die Früchte, Ästchen starben ab. Ich war sehr betrübt, hatte die Heidelbeere doch großen symbolischen Wert für mich. Trotz übermütiger Pflege gingen wir gemeinsam eher schlecht in die Winterpause. Ich packte Sie in ein Vliesgewand zum Schutz und verblieb in der Hoffnung, dass im neuen Jahr ein neuer Kreislauf beginnen würde. Ich hoffte, dass eine weitere Möglichkeit, ein weiterer Abschnitt folgen würde. Warum erzähle ich von unserer Heidelbeere?

Die Gesundheit ist auch ein Geschenk, das wertvollste Geschenk, was wir neben Zeit und Liebe in unserem ganzen Leben überhaupt bekommen. Man muss sie pflegen, sich um sie kümmern und um sie sorgen. Und doch kann man manchmal nichts dagegen tun, dass es nicht so gut um die Gesundheit bestellt ist und sie einen Schaden erleidet. Das Leben passiert, bombardiert uns mit zu viel auf einmal. Dann geht es uns schlecht und man muss sich verstärkt um sich kümmern. Man ist betrübt vom schlechten Zustand, aber man muss positiv bleiben und nicht aufgeben. Nicht einfach die Pflanze ausgraben und denken, dass es vorbei ist, sozusagen. Dranbleiben und neben seinen Bemühungen hoffen, dass es weitergeht und besser wird. Dass nach schlechten und schwachen Zeiten auch wieder gestärkte und gute Zeiten kommen. Man muss daran glauben, auch wenn man nicht weiß, was kommen wird.

Warum schreibe ich gerade jetzt darüber? Wenn man eine chronische Krankheit hat, zählt man sich oft zu den kränkeren Menschen in seiner Umgebung. Ich bin immer wieder diese Heidelbeere – ich bin immer wieder mal in schlechtem Zustand und trage jedes Mal die Hoffnung in mir, dass ein weiterer, besserer Abschnitt folgt. Ich bin die Kranke, daran habe ich mich gewöhnt und gelernt, damit umzugehen. Da ich aber direkt drinstecke in diesen Situationen, kann ich besser damit umgehen als wenn andere Menschen betroffen sind. Leider musste ich feststellen, dass ich nicht gut darin bin, wenn andere krank sind. Menschen mit großer Relevanz für mein Leben kämpfen in letzter Zeit um ihr Geschenk, denn das Leben ist einfach von einem auf den nächsten Moment passiert. Man muss immer damit rechnen, das hat mir das letzte Jahr wieder mal gezeigt. Diese Menschen haben Schaden erlitten und ich muss zusehen. Ich muss zusehen und es steht zumeist nicht in meiner Macht, den Schaden zu mindern. Ähnlich wie bei meiner kleinen Heidelbeerpflanze, weshalb dieses Bildchen mein  symbolischer Hoffnungsträger ist. Ich muss hoffen und glauben, dass es eine Winterpause ist, bevor diese Menschen in einen neuen kräftestrotzenden Abschnitt starten können. Und manchmal ist Hoffnung sogar das Einzige, was mir bleibt. Das klingt nichtig und schrecklich pessimistisch – aber der kleinste Funken Hoffnung hat schon Übermenschliches möglich gemacht.

Ich hoffe auf Leben, das gelebt wird!

 

 

 

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