Was wir nicht dürfen …

… ist aufgeben. Das ist nicht akzeptabel, nicht in den Augen der Gesellschaft, die Leistung sehen will. Das ist nicht akzeptabel, in den Augen der Mitmenschen, weil sie in uns nicht das hoffnungslosen Fall sehen wollen. Aufgeben ist nicht akzeptabel für uns selbst, die nur dieses eine Leben haben. Aufgeben ist keine Option, sagen wir immer. Wir haben nur dieses eine Leben und wollen leben. Wir wollen nicht aufgeben, nicht unser Leben und nicht uns selbst. Wollen an uns glauben und frei sein. Frei von Schmerzen. Frei von dem Druck. Frei von den Mitleidsbekundungen. Frei von diesen unsichtbaren Fesseln. Frei von dem quälenden Gedankenkarussell. Frei von den Ängsten. Wir wollen unsere Träume nicht aufgeben, unsere Wünsche in Erfüllung sehen. Wir wollen nicht kampflos untergehen, nicht den Kopf hängen lassen oder anderen zur Last fallen. Wollen nicht fallen, als die Gefallenen abgestempelt werden. Wir wollen diese Stehaufmännchen sein, um die man sich nicht sorgen muss. Wollen nicht der Grund sein, warum jemand besorgt ist, leidet, sich schlecht fühlt. Wir wollen nicht die Last sein und alles schaffen. Alles allein, weil wir so stark und unbesiegbar sind. Für die Mitmenschen und die Gesellschaft, die einem so schnell nichts schenkt. Man muss sich sein Glück selbst schaffen, jeder seines eigenen Glückes Schmied. Wer hart arbeitet, wird belohnt. Man muss sich nur arg genug anstrengen. Das ist alles. Wenn du kein Erfolg hast, selbst Schuld. Bäm! Bisschen Yoga. Einen Salat essen. Nur nicht negativ denken. Oder aufgeben. Natürlich nicht. Weitermachen. Schwäche zeigen ist nicht gern gesehen, unattraktiv. Aufgeben ist nur was für Weicheier, für das schwächste Glied der Kette. Eine Schande. Keiner will das. Keiner will aufgeben oder zugeben, dass es passiert.

Aufgeben. Ist. Keine. Option.

Was für ein Dreck.

Läuft das Leben weiter? Komme ich meinen Aufgaben nach? Ja. Das macht die folgenden Worte nicht weniger wahr: Ich habe aufgegeben in den letzten Tagen. Ich habe geweint wie ein Schlosshund. Morgens. Abends. Zwischen drin. Es ist danach nicht besser geworden. Mit Schmerzen trotz Tabletten. Planlos. Keine Lust mehr zu kämpfen. Soll man doch denken von mir was man will. Ich krieg gesundheitlich nur noch drauf. Ach, Elisa hat noch eine Diagnose dazu bekommen? Na gut. Macht ja jetzt den Kohl auch nicht mehr fett, war ja eh schon krank. Und sie macht ja einfach weiter. Wie schlimm kann es dann sein, wenn es weiter geht? Es ist schlimm, wenn man im Weitermachen kein Ende von der Quälerei sieht. Ein Tag. Morgens hoffen, dass man den Tag schafft. Abends froh sein, wenn man ihn hinter sich gebracht hat. Ein Körper im Dauerkampf. Es ist schlimm, wenn einem die Kraft für ein Lächeln fehlt, für die Energie, die man sonst versprüht. Wenn man seine Energie selbst nicht mehr spürt, das Gefühl für sich selbst verliert. Es ist schlimm, wenn man so Zeilen schreibt und dabei weint, dann ist es schlimm. Dann reicht es einfach mal. Es reicht jetzt mit stark tun. Ich will es nicht mehr sein grad.

Aufgeben passiert.

Es ist menschlich.

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1 Kommentar

  1. Ach liebe Elisa – selbst ich habe beim Lesen beinahe Schmerzen bekommen …. es tut mir so leid, daß es Dir schlecht geht …..Und wenn die Seele leidet, geht es uns schlecht. Ich wüßte auch nicht, wie ich dich trösten kann – ein „es wird schon wieder“ kann ICH ebenfalls nicht akzeptiern – genau so wie ein „Lass dich nicht hängen – Aufgeben ist keine Alternative“…. Wer so etwas sagt, dem gings noch nicht schlecht. Alles, was ich dir mitgeben kann, ist: Ich versehe dich sehr gut – auch wenn ich nicht wirklich weiß, was du alles durchmachen mußt – aber dafür bin ja ich ICH und du DU.
    Ich hoffe, es geht dir bald wieder besser – körperlich und mental…. Manchmal muß man sich gehen lassen…. damit Aufstehen auch wieder möglich ist. Ich drücke dir die Daumen… LG Kerstin

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