Liebe und Reisen - Love and Travel

ROADTRIP – 2121 Kilometer auf den Straßen unterwegs

1 – ROTHENBURG OB DER TAUBER
Unser kleiner General wacht am Abreisetag eine Stunde früher auf, also kommen wir eine Stunde eher los. Flexibel sein, das ist das Motto unserer Reise. Sofort und ab heute ist Sommer, die Klimaanlage bleibt trotz einem Werkstattbesuch ohne nennenswerte Funktion: Ich hasse Hitze. Das Baby hasst alles, denn pünktlich zur Abreise bekommt sie gleich zwei Zähne. Die schöne Altstadt wird eher gestresst mit einem schreienden Baby erlebt, von den Zähnen wissen wir derzeit noch nichts. Ich denke nur: Hoffentlich geht das nicht so weiter. Wir essen beim Ungarn direkt im Hotel, der General lässt uns einen Gang mit Bier genießen. Meine frische Versorgungsplatte beginnt bereits zu unterlaufen, es ist zu warm für mich und die Platten im Auto. Der erste Versuch im Kinderreisebett scheitert kläglich, die Kleine schläft zwischen Mama und Papa.

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2 – WILDPARK BAD MERGENTHEIM
Erstes Hotel-Frühstück Coronastyle gleich zu Beginn halb 8, das Baby ist fit und im mit Abstand bedachtem Frühstücksraum sind alle in sie verliebt. Serviert wird das Meiste vom Frühstück an den Tisch, ein paar Sachen kann man mit Maske holen. Für’s Baby gibt es das erste Brötcheninneres. Die erste Autofahrt wird zum Schlafen genutzt und der Tierpark ist schön, verwinkelt und mit ein paar kleinen Schätzen. Oder habt ihr schon mal einen Bieber schmatzen hören? Danach wird auf dem Parkplatz mit Decke unkompliziert zwischen Autos gewickelt und gefüttert. Dann schreit sie wieder wegen Schmerzen, mitgebrachte Zäpfchen sind unbrauchbar weich und am Zielort gehe ich sofort in eine Apotheke, um mich einzudecken. Das Zimmer ist schön kalt, der zweite Kinderreisebettversuch ist wieder nichts. Meine neue Platte unterläuft schon wieder, ein neuer Plan muss dringend her.

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3 – ODENWALD MIT FELSENMEER
Wir sind nun in Hessen angelangt, es gibt Frühstück auf dem Zimmer und das auch zu Zeiten, wenn kleine Generäle schon wach sind (ab 06:30). Wir machen noch ein Nickerchen vor dem Check Out und nutzen das kühle Zimmer. Das Felsenmeer im Odenwald ist mit Kinderwagen etwas zugänglicher als gedacht, wir suchen ein Plätzchen im Schatten und Blick auf die Steine. Einfach den Moment genießen. Das Baby macht das super, obwohl das ihre erste Reise ist. Am Nachmittag fahren wir nach Frankfurt zu Freunden und das ist immer schön. Vielen Dank für eure liebe Art. Das Baby fremdelt leider, aber Papa legt sich mit ihr zum Abend hin und ich bleibe bei einem bzw. mehreren Bierchen mit meiner Freundin wach. Danach schlafe ich solo auf der Couch. Da mir die Platte schon wieder versagt, wird die neue nun mit zusätzlichem Puder und Paste angebracht. Daumen drücken!

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4 – TOP EU STAUSEE EDERSEE NATIONALPARK
Wie auch am Abend haben Paare ohne kleinen General einfach einen anderen Rhythmus (den man mit Kind definitiv ein bisschen vermisst) – wir bekommen trotz fast unchristlicher Zeit ein leckeres Frühstück und ich kann Wasser für das Baby im Topf abkochen. Im Hotel mache ich das mit Babywasser und einem Reisewasserkocher. Das Baby verschläft fast die ganze Fahrt, bis wir am Edersee ankommen. Es ist einer der größten Stauseen Europas, in Schlangenform. Wir machen Mittagspause an einem schattigen Bänkchen und machen super süße Bilder. Der dortige Baumwipfelpfad ist schön, ebenso der Wildtierpark. Unser Westernmotel mit Bikern ist cool und schick, zum Abend gibt es Pulled Pork Burger aus dem Restaurant neben an – auf unserem Zimmer. Heute gibt es auch Livemusik, direkt vor’m Zimmer bis halb 9 … wie jeden Mittwoch, keiner erwähnte was bei der Buchung mit Baby. Besagtes Baby schläft nach ihrer ersten Dusche mit Papa aber ein und verpasst zwei Stunden Musik. Meine Platte ist wieder für den Arsch.

5 – BERGPARK WELTKULTURERBE
Wir erleben einen sehr gemütlichen Morgen vor Ort, weil das gute Frühstück erst spät ins Zimmer gebracht wird. Wir halten für einen kleinen Obst-Wasser-Tampons-Einkauf und fahren nach Kassel. Um jede Wolke sind wir von Herzen dankbar, wir cremen mich und das Kind sehr regelmäßig ein. Ich sage euch, nie wieder will ich in einen BERGPARK, der am BERG ist. Runter ist ja noch okay, hoch habe ich buchstäblich fast gekotzt. Unschöne Wahrheit. Aber, ein schöner alter Baumbestand dort und tolle Winkel. Der Park hat eine App zum Nicht-Verlaufen, das erklärt alles. Wir fahren für unser Nachtquartier in den Harz. Mir wird sehr schnell wieder bewusst, dass ich wirklich Angst vor LKWs habe. Drei Mal wird es eng. Scheiß LKWs auf der Autobahn. Abends sind wir alle drei fertig vom Tag und lassen Lieferando ans Hotel liefern. Geile Sache. Vor dem Schlafen gehen heißt es wieder: byebye Platte. So schnell hintereinander musste ich in 5 Jahren keine Platten wechseln! Das Baby hat sich nun übrigens an unsere Masken gewöhnt und lächelt uns trotzdem an, ein Fortschritt.

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6 – EIN BISSCHEN HARZER LUFT
Die Nacht war für uns alle definitiv zu kurz. Frühstück gibt es hier mit zugewiesener Zeit, mit Abstand und im Frühstücksraum, jeder nur an seinem Tisch. Gleich in der Nähe geht es dann zum Spaziergang an die Teufelsmauer, richtig coole Steine, tolle Atmosphäre. Da wir den Harz neben seinen Funklöchern ein wenig kennenlernen wollen, geht’s in den Miniaturenpark mit Modellen der wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Der Brocken haben wir mit Baby vermieden. Jenes Baby verweigert seinen Mittagsbrei aus dem Glas – normalerweise gibt’s keine Gläschen, diese hatte sie eigentlich für gut empfunden. Für’s ganze Wochenende machen wir Halt in Braunschweig bei Freunden. Es ist fast familiär herzlich. An euch zwei auch vielen Dank für alles. Wir haben uns super wohlgefühlt! Wir gestehen uns auch ein, dass das mit dem Auto so nicht geht und fahren zu ATU. Die erkennen den Fehler, können ihn so schnell aber nicht beheben. Meine Platten frustet mich heute schon wieder! Papa darf heute länger aufbleiben.

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7 – HÄLFTE UND AUCH EINE PAUSE
Freya ist spät ins Bett, so spät wie noch nie, und schläft auch länger. Die Stimmung beim Frühstück mit allen ist toll, schon gestern war es im Garten einfach schön. Unsere Kleine macht das mit dem Reisen überraschend gut und wird auch besser mit Menschen. Wir waschen Wäsche und lernen die Stadt ein bisschen kennen. Hier gefällt’s uns. Es gibt sogar das erste Babyplantschen im Wäschekorb auf Terrasse. Trotz langem Shirt habe ich wieder mit meiner Sonnenallergie zu kämpfen und die Kleine am Abend mit ihren Zähnen. Es gibt was gegen den Schmerz für sie und für mich Aloe Vera. Heute darf ich noch länger aufbleiben, die Gespräche sind schön. Wegen dem heißen Auto verkürzen wir unsere Reise, die nächsten Tage werden erst mal kühler. Außerdem wären mir die Platten ausgegangen und ich hätte teuer zusätzlich eine Packung im Sanitätshaus in Braunschweig einkaufen müssen (10 Platten, die eigentlich mehrere Tage heben, hatte ich dabei und war der Ansicht, das reicht für 15 Tage – so viel brauche ich daheim grad im Monat nicht mal) … tja man lernt nie aus.

8 – NÖRDLICHSTES REISEZIEL: LÜNEBURGER HEIDE
Wir starten ruhig und langsam in die Morgenroutine, die wir auf Reisen entwickelt haben. Ein Koffer Klamotten, ein Koffer allen anderen Kram in Taschen: Babyschlafsachen, Babybadtasche, unsere Badtaschen, meine zusätzliche Versorgung und der ganze Babynahungskram. Wir machen ein letztes Nickerchen im Bett und genießen noch ein letztes Mal das Verwöhnprogramm unserer Gastgeber. Auf dem Weg zum Tagesziel halten wir in der Südheide an einem See zum Beine vertreten und Mittagessen an einer Bank. Die Fahrt heute ist gut, nicht zu heiß und die norddeutsche Landschaft zu betrachten gefällt mir. Erinnert mich irgendwie an früher, obwohl ich hier noch nie war. Ohne die lila Blüte der Heide ist diese eher unspektakulär, aber trotzdem gut. In unserer Unterkunft sind wir direkt im Naturschutzgebiet, hier ist es ruhig und friedlich. Zu Abend essen wir unkompliziert und im Freien an einem Imbiss – lecker Wurst und Frikadelle von der Heidschnucke mit Salat und eine traditionelle Buchweizentorte. Danach googeln wir erst mal, was die Heidschnucke ist. Jetzt wissen wir’s. Google doch auch mal…

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9 – SERENGETI PARK TAG + NACHT
Da die Frühstückszeit eher später ist, wird morgens nun einfach ausgiebig gekuschelt. Hier wird zwar in einem Raum gemeinsam gefrühstückt und es gibt Büffet, man bedient sich jedoch nicht selbst. Wir nutzen oft die frühestmögliche Zeit. So wie beim Park: 3 Minuten nach Öffnung des Parks stehen wir am Eingang und warten dann 40 Minuten, bis wir dran sind. Puh. Weil der General noch klein ist, machen wir die Safari im eigenen Auto … sie verschläft fast alles und wir können in Ruhe beobachten und über Kopfhörer eine Art Audioguide hören. Ein Strauß greift das Auto an, Trampeltiere stolzieren an uns vorbei und der Löwe besteigt eine seiner Löwinnen. Dass der Park – halb Tierpark halb Vergnügungspark – bald 50 wird, merkt man. Für unsere Kleine ist es fast zu viel, für Kleinkinder perfekt. Unsere Lodge im Park ist urig, heute schläft Papa solo. Wir essen früh zu Abend im einzigen Restaurant, wo es vor Corona ein großes Buffet gab. Nun gibt’s Currywurst und Schnitzel a la carte. Wir spazieren noch bisschen im Park und genießen an der Lodge die Atmosphäre.

10 – VIEL STRECKE UND DIE GROßONKEL
Unsere Serengeti-Erfahrung lässt uns zwiegespalten nach dem Frühstück zurück. Wir genießen zwei Stunden ruhige und verschlafene Fahrt bis zu unserer Mittagspause bei den Externsteinen. Urige Gebilde, 4 Euro Parkplatzgebühr plus 1 kostenpflichtiges WC ohne Seife und Desinfektion. Naja. Starker Wind macht es für das Baby außerhalb ihres Wagens eher ungemütlich. Wir fahren weiter und besuchen meine Onkels auf Kaffee und Kuchen. Ein seltenes Treffen und sehr schön. Als sie wieder müde wird, fahren wir weiter und sie verschläft auch die letzte Stunde Fahrt. Mama und Papa sind aber fertig, weshalb Lieferando uns wieder aushilft. Ich habe schon ein paar Hotels gesehen, aber selten war ich traurig über den Verfall eines Objektes mit so viel Potenzial und Schönem darin. Das Reiseende ist in Sicht und trotz unserer Routine und Packordnung für alles freuen wir uns auf daheim. Die fehlende Hitze lässt meine Platten besser halten.

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11 – KOBLENZER GEGEND
Gleich am Morgen merken wir, dass die Hitze zurückkommt. Unsere Laune sinkt, das Baby ist unbeeindruckt und schläft im Auto ein. Wir besichtigen den größten – künstlich entstandenem – Kaltwassergeysir der Welt samt Rheinfahrt. Corona bedingt eher exklusiv, weil nur 1/6 der eigentlichen Besucher auf einmal erlaubt sind. Später in Koblenz besuchen wir das deutsche Eck und die Festung Ehrenbreitstein. Die Seilbahn, ursprünglich entstanden für die Bundesgartenschau in Koblenz, ist ebenfalls mehr leer als voll, eigentlich nicht schlecht mit einem launischen Baby. Später hubt neben uns ein Rheinschiff, die Welt ist oft zu laut für ein Baby und sie weint bitterlich. Wir wollen noch etwas in einem Restaurant essen, werden aber so ignoriert, dass wir aufstehen und gehen. Bis zur Unterkunft lernen wir dann das Moseltal ein bisschen kennen, schon schön hier. Und ja, Lieferando ist ein letztes Mal unser Freund. Heute war unser Top-Foto-Tag, fast wie früher.

12 – AUF NACH HAUSE WIE SCHÖN
Unsere letzte Unterkunft war schon speziell, dafür wird zum Frühstück besonders bedient und es gibt den besten Obstsalat meines Lebens. Man merkt, wir sind alle ein wenig geschafft von allen Eindrücken, das Baby schläft im Auto heute die meiste Zeit. Gott sei Dank möchte man sagen, denn ein schreiendes Baby hatte ich heute nicht vertragen. Das Wetter drückt und wir sind reif für Daheim. Zum Füße vertreten halten wir in der gut erhaltenen Klosteranlage Maulbronn, wenige Besucher sind da und es erinnert mich an meine Jugend, als ich für ein bisschen Ruhe mit dem Fahrrad in eine Kirche fuhr und einfach hinein saß. Noch 1,5 Stunden und dann wird der Motor vor dem Haus abgestellt. Alles aus dem Auto wird ins Haus befördert – nicht gerade wenig -, Wäsche gestartet und alles wieder Richtung Alltag verräumt. Home Sweet Home, ehrlich

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FAZIT ELISA. Naja. Trotz Eincremen, Aloe Vera und langen Klamotten juckt es mich am ganzen Körper von der Sonne. Das ständige Schwitzen hat mich fertiggemacht. Die Haut um mein Stoma ist durch das häufige Wechseln von Zweiteilerplatten irritiert und sieht nicht gut aus. Mein Hartmannstumpf, zwei Wochen nicht behandelt wegen weicher unbrauchbarer Zäpfchen ist wieder schön entzündet. Kopftechnisch konnte ich aber ein bisschen vom Alltag abschalten. Alle anderen Problemchen sind seit der Rückkehr wieder besser geworden.

FAZIT BABY. Gut. Trotz Zahnen, dem Fakt, dass es ihre erste Reise war, dem Fremdeln und der Hitze. Sie schlief die meisten Nächte gut, kam mit dem Autofahren klar und konnte viele Dinge und Menschen beobachten. Natürlich ist es viel Gerödel, man muss immer vorbereitet sein auf Hunger, Durst, Langeweile und Windelwechsel – aber es ist definitiv machbar. Sie hat viel gelacht und hat sich von ihrer besten Seite gezeigt. Durch die Reise, so merken wir daheim, hat sie sich weiterentwickelt.

FAZIT REISE. Gut. Es war definitiv kein Wellnessurlaub, sollte er aber auch nicht sein. Wir machen diese Art von Reise seit 5 Jahren immer wieder und es ist stets eine Herausforderung, schon zu Zweit. Wir waren mit Baby mutig und haben Einiges gelernt, was wir zu Dritt verbessern können. Wir bleiben weiter mutig und versuchen es ähnlich im Herbst gleich noch mal. Deutschland hat einfach viel zu bieten, besonders viele unterschiedliche Fassetten.

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